Bulgarien; fasziniert über den Balkan

Zwei Tage am Stück nur Straße, flache riesige Felder und zu viele Hunde, die einem zähnefletschend nachrennen sind anstrengend. Wenn man dann noch schwüles Wetter hat und abends von Mücken gefressen wird, leidet die Stimmung. Wir mussten handeln, wollten die Berge sehen und hatten Lust auf ein neues Land. Also auf über die Donau nach Bulgarien.
Wir hatten kaum eine Ahnung was uns erwartet. Zuerst bestätigt sich mal wieder, dass ein Ufer nicht aussieht wie das andere. Wir finden eine hübsche Steilküste mit einem bescheidenen aber netten Ort vor. Wir besorgen uns Geld und Essen und machen uns auf ins Landesinnere. Damit lassen wir das erste mal alle ausgewiesenen Radwege hinter uns.
Alles ist bescheiden, wirkt aber nicht ärmlich. Die Autos und Häuser sind alt aber gepflegt. Die Menschen schauen uns teilweise an, als würden wir im Raumschiff durch ihren Ort schweben, kommen aber nicht mehr so aktiv auf uns zu wie in Rumänien.
Wenn wir nach dem Weg fragen, werden wir konsequent und wortreich unterstützt, auch wenn wir kein Wort verstehen. Ein etwa Sechzehnjähriger führt uns einmal quer durch die Stadt, damit wir auch wirklich die richtige Landstraße finden.
Die Landschaft zieht sich zwei Tage sanft hügelig und in herbstlicher Pracht bis Veliko Tărnovo. Wir bleiben einen halben Tag in der hübschen mittelalterlichen Stadt und quartieren uns in einem wirklich tollen Hostel ein. Hier lernen wir Andrew und Sheila kennen. Die beiden radeln von Manchester nach Istanbul und wir haben endlich mal wieder Radreisende zum austauschen von Erfahrungen.
Zurück auf der Straße machen wir uns auf Richtung Pass. Der niedrigste den wir finden konnten sollte uns sanft auf etwa 700 Höhenmetern über den Balkan bringen. Auf der vielbefahrenen Straße gehen uns jedoch die LKW schnell auf die Nerven und so verlassen wir die Straße in dem Wissen, dass wir auf kleinen Straßen zwei Tage mit rund 400 Höhenmeter mehr als geplant bergauf fahren werden. Eine der besten Entscheidungen dieser Reise. Der Weg ist bestens zu fahren, es gibt kaum Verkehr und die Aussicht ist grandios.
Auf halben Weg nach oben campen wir wild und werden morgens das erste mal erwischt. Der Bauer spricht kaum deutsch und amüsiert sich über uns als er die Schweine auf die Weide treibt, wünscht uns einen schönen Tag und verschwindet. Wir essen unser Frühstück auf und brechen auf zum Pass. Das Panorama ist zum verlieben, weite Täler mit kaum einen Zeichen von Zivilisation. Alles in allem ist der Anstieg auch halb so wild, Linda lässt sich dennoch nicht zu einem Abstecher zum Gipfel begeistern. So machen wir uns nach kurzem Halt auf zum spaßigen Teil der Bergetappe: ABFAHRT! Kurze Zeit später sitzen wir unten im Tal im Café und betreiben Tourplanung. Erstmal geht es weiter nach Istanbul.

2 Gedanken zu „Bulgarien; fasziniert über den Balkan

  1. Um die Erfahrung, Eindrücke,Landschaft und Kondition beneide ich Euch, aber um die Kilometer, Mücken und Höhenmeter weniger. Ihr habt fast 3.000Km und 6 Länder -wenn ich richtig gezählt habe- hinter Euch, tollllllllllllllllllllllll weiterso!!!!! Ganz liebe Grüße
    Pilar

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